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Ringo Starr

Y Not

Der Starr bekam einen Star. Anfang Februar durfte Ex-Beatle Ringo Starr seinen persönlichen Stern auf dem "Walk of Fame" von Hollywood einweihen. Anwesend waren auch seine Frau, die Schauspielerin Barbara Bach und Joe Walsh: Schwager, langjähriger Freund und Mitmusiker von Ringos neuem, seinem 15. Soloalbum "Y Not". Es sei cool, dass die Zeremonie am Abend stattfand, "weil ja nachts auch die Sterne herauskommen", witzelte Starr. Das hätte so auch Helge Schneider sagen können. Der Hollywood Walk of Fame wurde einmal als städtebauliche Maßnahme der Stadt Los Angeles eingerichtet. Mit der Touristenattraktion wollte man das in den 1950er Jahren heruntergekommene Viertel zwischen dem Hollywood Boulevard und der Vine Street aufwerten. In einer heruntergekommenen Gegend, im Stadtteil Dingle eines grauen Liverpools der Nachkriegszeit wuchs Starr auf. Als er drei war, trennten sich seine Eltern, er war ein kränkliches sensibles Kind, und dass er eben nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, erklärt er auf dem Song "The Other Side Of Liverpool" seines neuen Albums: "The other side of Liverpool is cold and damp / Only way out there / drums, guitar and amp." Das ist dann aber auch der einzige Song von "Y Not", bei dem die Mundwinkel nach unten gehen könnten. Ansonsten liefert der vierte Beatle seinen Fans, was sie von ihm kennen und erwarten: grundsoliden, freundlichen, ohrwurmigen aber gewollt etwas tapsigen Britrock in den Fußstapfen der Beatles. Eine Sammlung straight rockender, schön melodischer Titel, die Starrs gute-Laune-Mentalität, seinen Humanismus und unerschütterlichen Optimismus reflektieren. Starr ist und bleibt ein Peace-and-Love-Mann der alten Schule, wie er auf dem Song "Peace Dream" unterstreicht, auf dem Beatle-Kollege Paul Mc Cartney Bass spielt. Irgendwie erinnert generell die Produktion von "Y Not" an George Harrisons 1987er-Comebackalbum "Cloud Nine", speziell der Tabla-Einsatz und das Chanting von Tina Sugandh alias Tabla-Tina auf zwei Titeln. Weitaus bekannter als Sugandh dürften die Albumgäste Joss Stone, Ben Harper und Richard Marx sein, die "Y Not" in die 00er, 90er und 80er Jahre rücken - allen voran Stone. Als Leadsängerin auf "Who´s Your Daddy" wirkt sie einem zuviel an Nostalgie entgegen, wobei sie Daddy Ringo in die zweite Reihe schickt. Altersmäßig zwischen Stone und Starr (oder Eagles-Gitarrist Joe Walsh) befindet sich Starrs regulärer Keyboarder Benmont Tench (aus Tom Pettys Heartbreakers). Der Beach Boy-Mentor Van Dyke Parks co-komponierte "Walk With You", auf dem dann wieder McCartney singt - einer der bisher schönsten Songs, die Starr bislang veröffentlicht hat. Um so zu bleiben wie er ist, musste der 69jährige dieses Mal seine Herangehensweise ändern, indem er "Y Not", als erstes Album überhaupt, selbst produzierte. Ein mutiger Schritt, denn für seine bisherigen Soloalben verließ sich Starr auf Star-Produzenten wie Richard Perry, Arif Mardin oder Don Was (der allerdings auf "Y Not" noch Bass zupft). Bei den Beatles war Starr auch nicht gerade als Alphatier im Studio bekannt, dafür der "am meisten gefilmte Beatle" (von daher vielleicht sein Stern auf dem Walk of Fame?). Nach langem Suchen fand Starr nach eigenem Bekunden den Produzenten seines neuen Albums, als er eines Morgens in den Spiegel schaute. "Ich sah an dem Morgen echt verwegen aus", so Starr. Am unernsten Charakter Richard Starkeys, seinen liebenswerten Clownerien, seinem scheinbar nicht so tiefsinnigen Geist wie dem John Lennons oder George Harrisons, seiner unartigen Feelgood-Attitüde, daran haben sich schon diverse Musikjournalisten abgearbeitet. Aber genau diese Ablehnung Ringos, zu erstaunen, zu beeindrucken, "sophisticated" zu sein, ist, was seine Fans an ihm lieben. Im Januar debütierte "Y Not" auf #58 der US-Popcharts, die höchste Chartplatzierung Starrs seit 1976. "Y Not" sei ein Album "wie ein alter Freund", schreibt der AllMusic-Guide.

Tim Weber

Geschrieben von pure-Team am 3.3.2010
Tags: Pop, Rock
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