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Barry White

Portrait

Welche Musik bringt einen besser durch den Winter als der wärmende, samtweiche, üppige Soul von Barry White? Gemeinsam mit Marvin Gaye und Isaac Hayes bildet er das Triumvirat der großen Soul-Lover der 1970er. Kein anderer personifizierte den Glamour im Aufstreben der Afro-Amerikaner mehr. Auch wenn Gaye der bessere Sänger war und Hayes technisch ausgefeilter - Whites Musik wurde zur größten Hormon-Schleuder der Popgeschichte. Den barocken Prototypen von Disco schuf er, und es gab nur ein Thema in seinen Songs. Über gedämpfte Schlagzeugbeats, dicke Streicherteppiche, verhallende Gitarrenriffs sang-sprach das XXL-Sexsymbol mit seinem bodenlosen Bass davon, dass es nie genug bekommen konnte, von deiner Liebe, Baby. White hatte Masse und war für die Masse. Frauen legten seine Platten auf, wenn sie von ihren Männern mehr wollten als die schnelle Nummer. Männer legten seine Platten auf, um ihre Frauen in die Stimmung zu bekommen. So sehr sie die Wände vibrieren lassen - Whites Emo-Bomben halten die Balance von Liebe und Sex, sie sind eskapistisch und dick aufgetragen wie Bollywood-Filme - dabei nie explizit oder krude, sondern im Gegenteil: familienfreundlich und wertkonservativ.

All seine sanft-süßen, lasziven Schlafzimmer-Balladen standen der Biografie des Sängers und Pianisten, der im finsteren Ghetto von Watts in Los Angeles aufwuchs, diametral gegenüber. 2000 besuchte die Journalistin Lulu Le Vay ihn in seinem Anwesen in San Diego. "Das piekfeine Wohnzimmer versprüht eine Aura von Ghetto-Berühmtheit", schreibt Le Vay in der Septemberausgabe 2000 von "Sleazenation". "Schwarze Möbel, schwarzer Marmor, ein schwarzer Flügel, der majestätisch am Fenster steht, durch all das zieht sich ein schaurig-schönes Design aus goldenen Patterns. Ein Bild von Malcolm X hängt an der Wand, Malcolm X schaut auf 45 gerahmte Goldene Schallplatten an den Wänden, gruppiert um ein großes Porträt des sanften Mannes selbst - sein Gewinner-Grinsen penetriert die Dunkelheit des Raums. Pure Dekadenz, pure Klasse, pure Klasse..."

"Auch wenn seine Manieren tadellos sind, sein Benehmen höflich und respektvoll - die scharfen zwinkernden Augen erzählen eine andere Geschichte", schreibt Le Vay weiter, "die von harten Zeiten, Enttäuschung und Kampf. Vom unumstößlichen Glauben an sich selbst und seine Fähigkeiten, die ihn aus dem Ghetto heraus brachten." "Ich bin sehr sensibel", sagte White später über sich selbst. "Ich weiß, wie ein Mann aussieht, der total verliebt und verletzt ist. Ich weiß, wie eine Frau aussieht, die sehr glücklich mit ihrem Mann ist. Ich kann das sehen und genau darüber schreiben, was sie in diesen Momenten fühlen. Das ist mein Talent."

Geschrieben von Felix C. Fast am 18.2.2010
Tags: Funk, Soul
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