Hello Saferide
Die Geschichtenerzählerin
Da ist dieses alte Sprichwort vom Musikjournalisten, der nur deshalb verbittert vom sicheren Schreibtisch aus über andere Bands herzieht, weil er eigentlich selbst ein gescheiterter Musiker ist. Wie böse Annika Norlins Plattenkritiken früher ausgefallen sind, wissen wir nicht. Aber eines ist sicher: von "gescheitert" kann bei der schwedischen Ex-Musikjournalistin, die 2006 Stift und Laptop gegen Gitarre und Mikrofon eingetauscht hat, wirklich keine Rede sein.
Inzwischen zieren drei schwedische Grammys und drei weitere skandinavische Musikpreise ihre Stockholmer Wohnung. Dass diese Trophäen überhaupt den Weg in ihr Regal fanden, kann Annika Norlin alias Hello Saferide bis heute nicht so richtig fassen. "2006 passierte irgendwie alles auf einmal. Eigentlich war ich ja Journalistin. Klar, ich hatte eine Gitarre, aber die hatte mir mein Vater für höchstens 50 Euro gekauft. Jetzt habe ich einen japanischen Plattenvertrag, einen englischen Manager und mehrere Plattenfirmen, die sich für mich interessieren", erinnert sich Annika Norlin auf ihrer Website. Ihre persönliche musikalische Lawine trat Annika Norlin über das Internet los. 2005 stellte sie den Song "Highschool Stalker" auf ihre Myspace Seite - und konnte sich vor unverhoffter Anfragen und geschwenkter Plattenverträge kaum retten. Sie unterschrieb schließlich beim schwedischen Indielabel Razzia Records und ging ins Studio, um endlich die vielen Pop-Perlen, die seit längerem in ihrer Schreibtischschublade schlummerten, aufzunehmen.
Heraus kam ihr Debütalbum "Introducing: Hello Saferide" - ein Album voll vertonter Kurzgeschichten, inspiriert von kleinen Alltagsbeobachtungen, gepaart mit zurückgenommenen Akustikgitarren. "Musikalisch bin ich sehr von alten Country-Songs beeinflusst worden. Einer meiner Lieblingskünstler ist Tennessee Ernest Ford. Im Country gibt es oft diese schrägen Songtexte. Außerdem liebe ich Tom Waits und The Lemonheads", erklärte Annika Norlin kürzlich dem englischen Stylus Magazin und beschrieb, dass vor allem ihre Heimatstadt Östersund große Wirkung auf ihr Songwritertalent hatte: "Ich komme aus einer schwedischen Kleinstadt. Dort sind die Leute freundlich zueinander. Deshalb erfinde ich Stories über diese Art von Leuten, die ich kenne: Die haben mal einen Hangover, aber es passieren dort keine großen Dramen. Aber das macht das, was passiert, nicht weniger wichtig. Am meisten inspiriert es mich, Leuten zu zuhören. Kaum einer meiner Songtexte handelt wirklich von meinen eigenen Erfahrungen." Nachzuhören sind diese unspektakulär spektakulären Geschichten auf ihrem Debütalbum "Introducing: Hello Saferide", etwa im Song "Highschool Stalker": "It's your birthday tomorrow, but I'm not supposed to know. Hacked into the school computer, changed all of your D's to A's, broke into the dentist's office, know you never needed braces."