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Gaza in Kalifornien

Interview mit Vienna Teng

Pure: Sie sind vor kurzem für "Habitat for Humanity" nach Argentinien gereist, warum? Was haben Sie dort gemacht?

Teng: Bevor ich überhaupt mit der Musik anfing, wollte ich Ärztin werden und reisen, für "Ärzte ohne Grenzen" arbeiten. Ich wollte etwas Sinnvolles tun, anderen helfen, das war mein erster Traum. Und als Musikerin habe ich immer noch so ein Bedürfnis danach. Ich hatte nach dem Album ein bisschen Zeit und beschloss zu reisen und gemeinnützige Arbeit zu machen. Ich hatte vorher schon mit Habitat for Humanity in den USA zu tun gehabt, ich mochte die. Und so habe ich Häuser gebaut, in Argentinien, etwas, das ich noch nie gemacht habe.

Pure: Wie direkt hängen diese soziale Arbeit und ihre Musik miteinander zusammen?

Teng: Ich trenne das eigentlich. Aber auf dem neuen Album sind meine politischen Überzeugungen viel direkter als bisher eingeflossen. Ich habe mich früher mehr dagegen gesträubt. Ich habe mal ein exzellentes Interview mit Radiohead gelesen, in dem Thom Yorke sagt, dass es ein Konflikt für sie ist, Songs zu schreiben, die politische oder gesellschaftliche Anschauungen widerspiegeln und dabei nicht in der hässlichen Domäne der Politik zu versinken. Ich wollte nie "politische Musik machen. Aber das politische Geschehen gibt mir Anstöße zu Songs.

Pure: Ein Singer-Songwriter ist vielleicht ein glaubwürdigerer Verkünder von politischen Botschaften, denn die Menschen haben kein Vertrauen mehr zu Politikern, vielleicht noch zu Barack Obama. Gleichzeitig ist die Welt politisch, sobald man in den Bus steigt, in einer Gesellschaft lebt.

Teng: Politik ist wie das Familienmitglied, mit dem man absolut nicht klarkommt. Man kann die Verwandtschaft nicht auflösen oder abstreiten, aber das Zusammenleben ist total frustrierend und schwierig. Ich bin das erste Mal überhaupt politisch aktiv in der Kampagne von Barack Obama geworden. Ich habe mich da ziemlich skeptisch drauf eingelassen, aber ich glaube, er ist der beste Mann für diesen Job und ich unterstütze ihn ohne große Erwartungen. Politik ist hässlich, verabscheuungswürdig und trotzdem unumgänglich.

Geschrieben von Felix C. Fast am 29.1.2009
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