Gaza in Kalifornien
Interview mit Vienna Teng
Pure: Macht die Angst der Leute um ihre Sicherheit die Welt zu einem schlechteren Ort?
Teng: Es ist natürlich, dass wir Sicherheit wollen. Ich habe mich in den letzten Jahren öfter mal an die Reaktion meiner Familie erinnert, als ich meine sichere "IT-Karriere" hinschmiss und Musikerin wurde. Und ich kann es heute immer besser verstehen, anerkennen, dass meine Eltern, meine Großmutter so reagierten. Sie kamen aus einer derart prekären Situation in die USA, dass alles, was sie wollten, Sicherheit war. Das projizierten sie auf mich. Und als ich sagte, dass mir das nichts bedeutet und ich ein abenteuerliches und interessantes Leben vorziehe, waren sie am Boden zerstört. Man will das, was man am wenigsten hat. Man möchte das Gegenteil von dem, was man hat.
Pure: Der Titel ihres Albums klingt ja komisch, irgendwie militärisch, die Anfangsbuchstaben ergeben übrigens "IT", was hat es damit auf sich?
Teng: Oh stimmt, das könnte ja für IT stehen, da hatte ich gar nicht dran gedacht (lacht). Ich wollte etwas im Zusammenhang mit Erforschung und auch ruhig etwas Militärisches im Titel zum Ausdruck bringen. Viele Songs handeln von Konflikten, Krieg, und gleichzeitig breche ich auf zu einer Reise in unbekannte Gebiete. Es geht darum, in ein unbekanntes Gebiet vorzudringen, das in dir selbst liegt. Es wirft vielleicht ein Licht auf das scheinbare Paradox, dass du, wenn du nach draußen gehst, um zu sehen, was dort ist, viel mehr von dir selbst erkennst.