B.B. King
König und Arbeitstier
Man sieht es, man merkt es, man hört es - auch der König des Blues wäre ohne seine Garde, seine Band, ein schwacher Herrscher.Bevor B.B. King im Oktober 2006 in seinen eigenem Blues Club in Nashville die Bühne betrat, wo er - ebenso wie in seinem Club in Memphis - zum ersten Mal seit 13 Jahren einen Live-Auftritt mitschneiden ließ, ließ er seiner Band den Vortritt. Und die schickte unter der Leitung von James Holden ein mitreißendes Intro in den kleinen Club, eine fünfzehnminütige Verneigung vor dem Blues, in der ein jedes Bandmitglied sein eigenes Solo zelebrierte. Trotzdem blieb der schillerndste Moment B.B. King vorbehalten, und es bedurfte allein seines Ganges zum Zentrum der Bühne, um einzufangen, was dieser Mann ist. Man sieht es in den Augen seiner Crew und seiner Band, die ihm am Bühnenrand Platz macht. Blicke, die von einer gerührten Ehrerbietung glänzen, die sich trotz vermutlich langjähriger Zusammenarbeit bis heute gehalten hat. Aber auch King beweist, warum er in dem Ruf steht, durch und durch ein Gentleman zu sein. Er bedankt sich persönlich bei den Sicherheitskräften, klopft ihnen auf die Schulter, verneigt sich dann vor seiner Band, drückt kumpelhaft und mit ebenso respektvollem Blick Schultern und Hände und nimmt schließlich in der Bühnenmitte Platz. Das Publikum begrüßt B.B. King mit Standing Ovations und lauscht andächtig, als die immer noch jungen Finger des alten Mannes zum ersten Mal über seine geliebte Lucille streichen - seiner Gibson-Gitarre, die er wie kein anderer zu spielen vermag. Und auch hier lohnt der genaue Blick, um sich zu vergewissern, was B.B. King erreicht hat. Nicht der Blick auf die Finger, sondern der ins Publikum. Denn dort stehen nicht nur Alt und Jung, sondern ebenso Schwarz und überwiegend Weiß. Dass der Blues heutzutage wie selbstverständlich jenseits der Hautfarbe funktioniert, ist eine kulturelle Leistung, an der B.B. King einen großen Anteil hat. Bis zu einem Auftritt wie diesem, der dieser Tage mit einem Release als DVD und CD geehrt wird, war es natürlich ein langer Weg. Riley B. King, so sein bürgerlicher Name, hat ihn von Anfang an beschritten, und zwar von dort ausgehend, wo alles begann. Als 22jähriger trampte er 1947, mit Gitarre und Kleingeld ausgerüstet, nach Memphis, um sich von der dort aufblühenden afro-amerikanischen Musik-Szene inspirieren zu lassen. Schon in seiner Jugend hatte er sich als Straßenmusiker verdingt, und die Städte in der Nähe seiner Geburtsstadt Itta Bena in Mississippi bereist.