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Der nette Kerl von nebenan

Vince Gill

Über 15 Jahre hat Vince Gill gebraucht um schließlich in den 90er Jahren zu einem der erfolgreichsten Countrymusiker aufzusteigen. Angefangen hat der "Okie from Norman" bereits Ende der 1970er Jahre als lokaler Bluegrasssänger und erfolgloser Multiinstrumentalist. 20 Jahre später wurde er mit Preisen regelrecht überschüttet. Kein anderer Mensch hat mehr Country Music Awards auf dem Kaminsims stehen und nur Chet Atkins nennt als einziger Countrymusiker neben Gill auch 14 Grammys sein eigen. Mit dem 4 CD Boxset "These Days" erscheint nun das bis heute ambitionierteste Werk von Vince Gill.

"The popularity of you as a singer or as a songwriter. Those things are a kind of temporary. To be reconsidered for being an "OK Guy". That's a pretty good deal for me." (Die Bekanntheit von dir als Sänger oder als Songschreiber. Diese Dinge sind zeitlich begrenzt. In Erinnerung zu bleiben als korrekter Kerl. Das ist für mich ein gutes Geschäft.")
Diese von Vince Gill in einem Interview eher beiläufig getätigte Aussage kann auch als Überschrift für seine Lebensphilosophie oder sein mediales Image gelten. Das jahrelange Musizieren auf einem niedrigen kommerziellen Level hat bei Gill eine tiefe Bescheidenheit verankert. Diese kommt authentisch beim ländlichen amerikanischen Publikum an und bildet die Grundlage seines Erfolges.
Das Bild von Vince Gill in der öffentlichen Wahrnehmung ist nicht das einer millionenschweren Berühmtheit, sondern das eines netten, durchschnittlichen und typischen Amerikaners von nebenan. Der in Norman, Oklahoma als Sohn eines Richters geborene Gill engagiert sich außergewöhnlich stark für Wohltätigkeitsprojekte aller Art, tritt in Klamotten von Walmart auf und gibt sich öffentlich gerne dem verbalen "Understatement" hin. Obwohl diese Attitüden auch immer Teil des (amerikanischen) Musikzirkus sind, wirken sie bei dem 49jähigen nie wirklich aufgesetzt oder besonders zielgerichtet.

Trotz seiner bodenständigen Art staunte Vince Gill nicht schlecht als ihm Luke Lewis (Aufsichtsratsvorsitzender der Universal Music Group Nashville) im Jahre 2005 ermunterte, zusätzlich zu seinen 31 neuen Songs weitere Tracks aufzunehmen. Inspiriert von Bands der 1960er Jahre, wie den Beatles und deren Praxis mehrere Alben pro Jahr zu veröffentlichen, war Gill mit dem Wunsch an Lewis herangetreten, in einem schnelleren Turnus Platten erscheinen lassen zu dürfen.
Die konkrete Folge war, dass der Songschreiber zurück ins Studio ging und weitere Musiktitel aufnahm. Die Ergebnisse konnte man jedoch nicht mehr eindeutig dem Country Genre zuordnen. Vielmehr deckten die neuen Stücke ein breitere Palette von organischer Musik ab. Die 43 Songs, welche letztendlich auf "These Days" landeten, vereinen Klänge aus Country, Pop, Rock, Folk, Bluegrass und Jazz. Thematisch widmet sich jede der vier CDs des Boxsets einer anderen musikalischen Richtung: Rock, Country & Western, Akustische und Groove-orientierte Sounds.

Geschrieben von Jens Kupillas am 20.12.2006
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