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Das grosse Paralleluniversum

Sugarland

Amerikanische Countrymusik umfasst mit einer Vielzahl von Subgenres einen der weltweit größten Musikmärkte überhaupt. In Europa sind meistens nur dessen Speerspitzen wie Garth Brooks, Alan Jackson und George Strait oder Veteranen vom Format wie Johnny Cash und Willie Nelson den Hörern bekannt. Das Duo Sugarland - einer der führenden aktuellen "Countrybotschafter" - zeigt mit seinem zweiten Album eine mögliche zukünftige Entwicklung der populären Countrymusik auf.

Wenn eine Frau und ein Mann in einer Duoformation zusammen Musik machen, dann kommt es oft einem Drahtseilakt gleich, nicht in Peinlichkeiten á la Yoko Ono abzudriften. Die in Atlanta beheimateten Sugarland zwangen die Umstände in die Zweierkonstellation: Die ehemalige Dritte im Bunde - die Sängerin Kirstin Hall - verliess die Band Anfang des Jahres 2006 unter mysteriösen Umständen. Für den Sound der Band stellte dies jedoch keinen akustischen oder kreativen Beinbruch dar. Vielmehr übertrifft "Enjoy The Ride" das Debütalbum noch an Spielfreude und schaltet einen künstlerischen Gang höher. Die neue Platte enthält mehr klassische Countrymusik als der Vorgänger, jedoch gleichzeitig auch mehr poppige Songs als jemals zuvor.
Sugarlands neuste CD könnte sich als eines der wegweisenden Alben des Jahres 2006 entpuppen. Unverholen gekonnt flirten die beiden Musiker Jennifer Nettles und Kristian Bush mit artverwandten Musikstilen wie Rock, Pop oder Blues und lassen sogar Soul- und R&B-Anleihen zu. Ihre Songs würden dadurch auch ohne große Irritationen hervorzurufen, in die Setlisten eines Bruce Springsteen oder einer Melissa Etheridge passen. Sogar Parallelen zu modernen Soulsängerinnen wie Anastacia oder Alicia Keys sind nicht völlig abwegig.

Massenkompatible Sounds sind in Nashville und Umgebung momentan wieder einmal äußerst angesagt. Die Dixie Chicks machten den Schulterschluss mit der urbanen Popwelt auf ihrem letztem Album erfolgreich vor und selbst Sugarlandsängerin Nettles sang schon im Duett mit Jersey-Rocker Jon Bon Jovi.
Der Trend geht nach einer Zeit, in der Traditionalisten den Ton angaben, wieder einmal weg von klassischen Country-Dogmen hin zum Crossover-Flirt mit diversen Musikstilen.
Schon zu Beginn der 90er Jahre schafften es Garth Brooks und seine Nachfolger, durch eingängige Klänge und die Öffnung zu kommerziellen Arrangements die Musiksparte "New Country" nachhaltig zu etablieren. Ein Jahrzehnt später steht die amerikanische Countrymusik erneut an einem Scheideweg.

Geschrieben von Jens Kupillas am 8.12.2006
Tags: Country
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