Der rote Faden durch die Popmusik
Paul Weller
Über den "Godfather of Brit-Pop" und "ewigen Mod" Paul Weller ist schon einiges zu Papier gebracht worden. Wie auch Sting, Robert Smith oder Morrissey hat Weller eine goldene Mitgliedskarte für den Club der exzentrischen englischen Pop-Gentlemen der letzten Jahrzehnte. Das kreative Echo der Clubmitglieder ist auch heute noch an allen musikalischen Ecken und Kanten deutlich zu hören. Einen kleinen, aber aussagekräftigen Unterschied zu seinen Altersgenossen und ihren vielen Jüngern gibt es bei Paul Weller jedoch immer wieder festzustellen: Die in Songs, Interviews und öffentlichem Auftreten offensiv vertretene, sozialistisch geprägte, politisch-moralische Grundhaltung.
Wie ein roter Faden ziehen sich gesellschaftskritische Aussagen durch das seine Gesamtkarriere umspannende "Best Of" - Boxset "Hitparade".
Schon zu frühen "The Jam" Zeiten (das Boxset widmet den Perlen dieser Phase eine ganze CD) war die kompromisslose Attitüde des bestangezogenen Engländers vor Jarvis Cocker legendär. Einst von "The Clash"- Mastermind Joe Strummer zum konsequenten Schreiben über gesellschaftliche Missstände und politische Themen animiert worden, wurden Paul Weller und "The Jam" mit der ungeplanten Nummer 1 Single "Going Underground" (das Presswerk vertauschte angeblich die Masterbänder mit der späteren B-Seite "Dreams of Children") 1980 endgültig zu Megastars.
"Going Underground" wird wahrscheinlich auch für alle Zeiten als DER exemplarische Paul Weller Song hinhalten müssen. Mit Zeilen wie "You choose your leaders and place your trust as their lies wash you down and their promises rust. You'll see kidney machines replaced by rockets and guns and the public gets what the public wants." ("Du wählst Dir Deine Anführer aus und schenkst ihnen Vertrauen, während ihre Lügen Dich kalt erwischen und ihre Versprechen verrosten. Du siehst wie künstliche Nieren von Raketen und Gewehren ersetzt werden, doch die Öffentlichkeit bekommt das, was die Öffentlichkeit erwartet.") beschrieb er nicht nur sein eigenes Hadern mit den gesellschaftlichen Entscheidungsträgern, sondern fasst ein allgemeines Ohnmachtgefühl im Angesicht ungerechter Politik präzise zusammen.