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Godfather of Britpop

Paul Weller



Vielmehr tut Weller genau das, was auch alle großen bildenden Künstler taten: Er begibt sich auf die Suche nach neuen Formen, ohne seinen reichen Schatz schon gemachter Erfahrungen daheim zu lassen. Und so gelingen ihm ein ums andere Mal Entdeckungsreisen im Songformat. Die Attitüde des Punk nimmt Weller bis heute gelegentlich noch ein, sein politischer Zorn von einst ist bis dato nicht ganz verraucht, den Jazz und Soul aus den Tagen mit Mick Talbot als Snob-Duo von Style Council fegt Weller schon gar nicht aus dem Studio und von den Bühnen. Am Ende steht ein Mosaik aus Vertrautem und wohlig Irritierendem, und zum Glück nennt Weller ein Publikum seine Fangemeinde, das Entdeckungen zu machen nicht bloß bereit, sondern eher gierig danach ist.

Was also hat "Fly On The Wall" nun zu bieten? Nun, auf den ersten beiden CDs neben Klassikern wie besagtem "Into Tomorrow" eben solche Tracks, die auf den Alben "Paul Weller", "Wild Wood", "Stanley Road", "Heavy Soul" und "Heliocentric" hätten auftauchen können, es aber nicht taten. Gegen Ende von CD 1 erfreuen der Portishead Remix von "Wild Wood" und der Lynch Mob Bonus Beats Remix von "Kosmos", auf CD 2 der Noonday Underground Remix von "There's No Drinking After You're Dead" und "Science" im Lynch Mob Remix. Erhellend dann das letzte Drittel des Trios unter eigenem Titel "Button Downs". Hier erfahren wir, was Wegbegleiter Wellers natürlich längst wussten: Der Meister schöpft Kraft und Inspiration bei den Platten John Lennons und Neil Youngs, Tim Hardins und der Band Traffic, Bob Dylans, Bobby 'Blue' Blands und Etta James'. Weshalb sich hier nun Coverversionen von "Instant Karma", "Ohio", "Black Sheep Boy", "Feelin' Alright", "I Shall Be Released", "Ain't No Love In The Heart Of The City" und "I'd Rather Go Blind" zur Perlenkette reihen. Die Beatles übrigens, auch das keine wirkliche Überraschung, covert Weller gleich doppelt, mit "Sexy Sadie" und "Don't Let Me Down". Danach haben wir uns mit den letztlich so unter die Casting-Räder gekommenen Kunst des sinnvollen Coverns versöhnt und in Paul Wellers Musik wieder mal hoffnungslos verliebt. Als hätten wir es nicht geahnt!

Geschrieben von pure-Team am 21.11.2005
Tags: BritPop
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