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Rezension
CD 0602527039091
VÖ: 25.09.2009
Label: Decca
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Raymond Ray Davies

The Kinks Choral Collection By Ray Davies and The Crouch End Festival Chorus

Bei dem Versuch, Rockmusik mit Klassik und/oder Chor-Musik zusammenzubringen, haben sich schon viele verhoben. Man denke nur an die Klassik-Rock-Bastarde von den Scorpions und den Berliner Philarmonikern.

Glücklicherweise reiht sich die neue Kollaboration zwischen der Kinks-Stimme Ray Davies und dem 65-köpfigen Crouch End Festival Chorus nicht in diesen Kanon ein. Das hat mehrere Gründe. Zum einen waren die beiden Parteien zur Aufnahme schon ein eingespieltes Team. Bereits 2007 trat man bei den Electric Proms gemeinsam auf die Bühne und verzauberte die Anwesenden. Man kann das an vielen Stellen in diesen fünfzehn Songs heraushören: dass man weiß, wie der andere tickt, vor allem von Seiten des Chores. Der präsentiert sich nämlich nicht immer im vollsten Inbrunstmodus - nein, die Arrangements von David Temple, Steve Marwick und Ray Davies sind vielmehr bewusst gesetzt und lassen den Kinks-Klassikern an den richtigen Stellen genug Luft zum Atmen. So hat man begriffen, dass "You Really Got Me" auch mit Chor im Rücken gefälligst im Herzen ein Rocksong zu bleiben hat, was in der Praxis bedeutet, dass man ein Gitarrenriff nicht zum Tralala umbaut, und dass das Gitarren-Solo noch fast so losprescht, wie im Original von 1964.

Andere Songs wiederum waren schon ursprünglich so dermaßen melodie- und harmonietrunken, dass es als konsequenter Schritt erscheint, sie mit der samtenen Kraft von 65 wunderbaren Stimmen zu veredeln. Man nehme nur den Opener "Days", in dem es bekanntlich heißt: "Thank you for the days, those endless days, those sacred days you gave me." Mal ehrlich: Schrien diese Zeilen nicht schon immer danach, nicht bloß von einer schnöden Akustikgitarre begleitet zu werden, sondern von der sakralen Kraft eines Chores? Eben. Auch der "Waterloo Sunset" hatte schon im Original diesen mehrstimmigen Gesang im Refrain, der die volle Manpower des Crouch End Festival Chorus geradezu fordert.

Aber in diesem Song findet man dann auch den einen Punkt, den man bei diesem Release durchaus negativ bewerten kann: Manchmal ändert sich mit der neuen Interpretation auch die Substanz des Songs. So versteht man gar nicht mehr, warum Ray Davies sich beim Blick in den "Waterloo Sunset", aus dem Dreck der Stadt rausträumen muss, denn man kauft ihm gar nicht erst ab, dass der "dirty old river" in der ersten Textzeile tatsächlich dreckig und nicht golden ist, und man bezweifelt ebenso, dass die "people so busy", die den Protagonisten des Songs so schwindelig machen, in dieser beruhigenden Stimmwolke tatsächlich so "busy" tun können. Aber bei Problemen dieser Art hilft ja der Hinweis auf der CD-Rückseite: "Classic Kinks songs as you've never heard them before". Genau das hat man hier - und wer es eher mit dem Purismus hat und bei Neuinterpretationen bockig wird, der sollte das als Warnhinweis verstehen. Allen anderen steht ein wundervolles Klangerlebnis bevor.

CD 1
1. Days 3:45
2. Waterloo Sunset 3:35
3. You Really Got Me 3:02
4. Victoria 3:40
5. See My Friends 3:43
6. Celluloid Heroes 5:20
7. Shangri-La 5:30
8. Working Man's Cafe 4:00
9. Village Green 3:23
10. Picture Book 2:31
11. Big Sky 3:13
12. Do You Remember Walter? 3:33
13. Johnny Thunder 2:18
14. Village Green Preservation Society 2:37
15. All Day And All Of The Night 2:43
Geschrieben von Daniel Koch am 23.9.2009
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