The Rolling Stones
Jump Back - The Best Of The Rolling Stones, '71 - '93
Hilfe, schon wieder eine Rolling-Stones Best-of! Man kann sich gar nicht gegen diese Reflexe wehren, sobald man weiß, dass die wunderbare Remastered-Serie der Stones nun auch nicht vor dem Best-of Halt macht, das verkündet, das Beste von 1971 bis 1993 zusammenzufassen. Das gelingt natürlich nicht durchgehend - was aber nicht an "Jump Back" liegt, sondern an der Natur der Best-of an sich. Denn: Irgendwas fehlt ja immer. Hier wären es vielleicht das 73er "Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)" oder gerne auch "Highwire" aus dem Jahre `91. Überhaupt ist ein Best-of ja immer entweder eine subjektive Auswahl der Band (im Idealfall), oder geht davon aus, dass eine kommerziell erfolgreiche Single "besser" ist, als ein musikalischer Meilenstein, der als Single nicht funktioniert hätte und deshalb nur auf dem Album ist.
Man sollte diesen Re-Release also besser als Rolling-Stones-Mixtape begreifen, umso mehr, weil die Tracklist auf Chronologie pfeift, und die Songs zu einer schmissigen Gesamtkomposition arrangiert. "Start Me Up" (1981), das ja schon "Tattoo You" eröffnete, als Opener ist natürlich noch a bisserl naheliegend, aber mit dem darauf folgenden Griff in die Singles-Kiste von 1971 packt man den Hörer gleich noch mal so richtig, pardon, an den Eiern: Da gibt's nämlich "Brown Sugar" - ein Song, den auch Jagger in den beigefügten, sehr launischen Liner-Notes, als "definitiven Höhepunkt" bezeichnet, und berichtet, dass man ihn bereits 1969 in Altamont gespielt hatte, um ihn vor dem Release live zu testen. Wie bei einem guten Mixtape üblich, wird viel Spannung und Nervenkitzel aus Kontrasten dieser Art gewonnen. Entweder, wie hier, durch harte Schnitte chronologischer Natur, oder aber wie im Mittelteil von "Jump Back", in dem man die stilistische Bandbreite durch einen scharfen Cut offenbart. Da schraubt sich Jagger erst zu cheesy Saxophon-Klängen und "Tonnen an Overdubs" (Jagger) in schwer verdaulich Falsetto-Höhen, während er den Sanitäter in Sachen "Emotional Rescue" gibt, bevor die Stones nur einen Track später in "Respectable" zeigen, wie "Chuck Berry auf Punkrock" (Jagger) klingen würde.
Beispiele dieser Art gibt es viele auf "Jump Back" und genau deshalb empfiehlt sich auch dieser Re-Release nicht nur für Einsteiger - die ja sonst oft zur Best-of-Käufer-Fraktion gehören - sondern ebenso für Rolling Stones Fans, die den spannenden Zeitraum von 1971 bis 1993 auf ganz subjektive Weise erleben wollen - selbst oder gerade weil das nicht nur Vergnügen mit sich bringt, sondern an gewissen Stellen vielleicht auch Reibung erzeugt. Und komm jetzt hier keiner mit dem Argument, das könne eine iTunes-Playlist ja auch leisten. Meinetwegen - aber hat die auch amüsante Liner-Notes und ein schmuckes Artwork am Start? Nö. Also…