Island Records

Das Label, das die Welt veränderte.

Vor 50 Jahren gründete ein 22jähriger Entrepreneur eine Plattenfirma. Startkapital: 1000 englische Pfund. "Start-Up" würde man heute dazu sagen. Christopher Blackwell verkaufte Island-Records dreißig Jahre später für 300 Millionen Dollar an PolyGram. In der Zwischenzeit schrieb sein Label Popgeschichte.

So unkonventionell wie sein Label ist Chris Blackwell selbst. Auf Jamaika aufgewachsen, ging er als Teenager nach London aufs Internat, wo er rausflog. "Christopher wird sicher woanders glücklicher", so der überlieferte, heute berühmte Kommentar des Direktors von Harrow. Blackwell kehrte nach Jamaika zurück, nutzte sein gutes Aussehen und die Kontakte seiner illustren Familie und widmete sich verschiedensten Tätigkeiten. Er wurde Assistent des Gouverneurs, dann Wasserski-Lehrer. Er machte einen Scooter-Verleih auf und versuchte sich als Makler, war dann der "Location-Scout" für den in Jamaika gedrehten James Bond-Film "Dr. No". Gleichzeitig lizensierte Blackwell Platten der Ska-Produzenten Coxsone Dodd und Duke Reid, brachte sie nach London und verkaufte sie dort aus dem Kofferraum seines Mini-Coopers. 1963 landete Blackwell seinen ersten Hit für Island: "My Boy Lollipop" verkaufte in der zweiminütigen Version der 15jährigen Ska-Sängerin Millie sechs Millionen Platten. In den dreißig, vierzig folgenden Jahren sollten unzählige weitere Hits den Weg des Labels pflastern: "Keep On Running" von der Spencer Davis Group", "Moon Shadow" von Cat Stevens, "Addicted To Love" von Robert Palmer. Die Liste ist endlos. Doch Hits waren mehr ein Nebeneffekt. Anders als Motown-Chef Berry Gordy ging es Blackwell nicht um Hits, nie um Singles, sondern immer um Alben, um Konzepte und Künstler-Identitäten, die er organisch aufbaute. Sein Held war Ahmet Ertegun, auch wenn Blackwell später mit dem Chef von Atlantic-Records um den einen oder anderen Künstler konkurrieren würde.

Der erste Künstler, an den man beim Stichwort Island-Records denkt, ist sicher Bob Marley. Im Alleingang brachte Blackwell der westlichen Welt in den frühen 1970ern ein ganz neues Genre nahe - Reggae. Den LPs von Bob Marley und den Wailers gab er dabei einen Rock-kompatiblen Sound. Blackwell hatte auch die Karrieren von Toots & The Maytals oder Jimmy Cliff angeschoben. Cliff wollte er eigentlich zum großen Reggae-Star machen, nach seinem Durchbruch im Film "The Harder Thay Come" wanderte der Sänger aber 1971 zu EMI ab. Dann kam Marley, und der Rest ist Popgeschichte. Der zweite überdimensionale Sänger auf Island ist Cat Stevens. Zum Ende der 1970er sah als einziges Label Island das Potential einer irischen Rockband namens U2. Bob Marley, Cat Stevens und U2, alles "sehr religiöse Menschen" (Blackwell). Keiner war auf Anhieb erfolgreich. Marleys Island-Debüt "Catch A Fire" verkaufte 1973 nur 14.000 Stück. Aber es bekam großartige Kritiken und ist heute ein Klassiker. Auch 1987, mit U2s Jahrhundertalbum "The Joshua Tree" bewahrheitete sich Blackwells Überzeugung, man müsse Künstlern Zeit, Raum und Freiheit geben, damit sie wirklich gute Platten aufnehmen. "Die großen Labels sind wie Supermärkte", sagt Blackwell zum 50. Jubiläum seines Labels. "Ich sehe Island wie ein hochklassiges Delikatessengeschäft.

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