Element Of Crime
Gewiss: Zwischen jetzt und irgendwann einmal liegt ein ganzes Vierteljahrhundert. Und doch - es ist nicht vorstellbar, dass der Mann, der so unterkühlt ist wie ein Jever, das im Eisfach geplatzt ist; dass der Mann, dessen Markenzeichen eine unaufgeregte Form der schlechten Laune ist, solche Sätze gesagt haben soll: "It's a party". Oder auch: "I'll warm you up". Zumindest geschrieben hat er sie, als die ersten zwei Songs auf dem Tracklisting von "Basically Sad". 1986 erschien die Platte, "nach langem Überreden" der Plattenfirma, wie es heißt. 800 Stück finden einen Käufer und kurze Zeit später steigt Schlagzeuger Uwe Bauer aus und wird durch den heute noch im Amt befindlichen Richard Pappik ersetzt. "Frag nicht warum", sollen seine letzten Worte gewesen sein - ein Satz wie eine Blaupause für das spätere Schaffen von Element Of Crime.
Und es hat dann wohl auch keiner "Warum" gefragt oder ob es am damals noch verwendeten Saxophon gelegen haben mag. Es ziemt sich nicht, dumme Fragen zu stellen. Außerdem ziemt es sich auch nicht, dummes Zeug über Element Of Crime zu schreiben. Da aber das meiste auf dieser Welt dumm ist, fängt man am besten gar nicht damit an. Eins vielleicht noch, nur eine kleine Bemerkung, eine unscheinbare Randnotiz, möge sie hinfortgeschwemmt werden von den Gezeiten des Weltenlaufs, für ewig und auf immerdar: Im März 1985, der lange und kalte Winter in Berlin (West) verbreitete letzten Schrecken, fanden ein paar Junge Burschen zueinander und gaben sich den Namen Element Of Crime. Das ist 25 Jahre her, und alles war wie heute. Man wird ein paar Bier miteinander getrunken haben, weiter eigentlich nichts. Man trifft auf Tim Renner, der sich den Mund fusselig redet, und deshalb irgendwann auch auf John Cale. Der hat gerade schlechte Laune, weil er keinen Alkohol mehr trinkt, und produziert mit ihnen eine Platte: "Try to be Mensch" verkauft sich 10.000 Mal. Cale ist schließlich kein Unbekannter.
Natürlich folgen bittere Zeiten. Den Alben, die fortan entstehen, hört man das an. Live ist es ähnlich: An Kurt Weill sind schon viele gescheitert, es ist keine Schande und vielleicht muss man es nur oft genug immer wieder machen: "Surabaya Johnny" gehört nach wie vor zum festen Repertoire der Konzerte - und ja: schroff, rau, ein wenig neben der Spur, ein wunderschönes Lied von Element Of Crime. Hören will das so richtig keiner, Geld gibt es keins, Pause machen ist nicht, Livealben sind selten eine Offenbarung, aber Gott, es muss ja: "Crime pays" erscheint 1990 und ist dann das Ende.
