Eagles
Die beiden erfolgreichsten Rockbands der 1970er waren die Eagles und Led Zeppelin. Diese Bands repräsentierten die einander entgegen gesetzten Pole der damaligen Rockwelt. Led Zeppelin entwickelten sich vom epischen Bluesquartett über die Hardrockband zur exotischen Kelten-Combo. Die Eagles fingen als Backgroundband von Linda Ronstadt an...
Unvergesslich, urkomisch: die Szene aus dem Film "The Big Lebowski" von den Coen-Brüdern, wo der "Dude" (Jeff Bridges) von einem Taxifahrer aus dem Wagen gezerrt und im nächtlichen Los Angeles ausgesetzt wird, nachdem er sich über die im Taxi laufende Musik beschwert hat: "Peaceful Easy Feeling" von den Eagles. (zu sehen auf: http://www.youtube.com/watch?v=h-vwPuiILBc). Ein Fallbeispiel, das ganz klar zeigt: die Eagles polarisieren. Man liebt sie, man hasst sie, selten gibt es was dazwischen. Und: Die Menschen nehmen die Musik der Eagles sehr ernst, um nicht zu sagen: total persönlich.
Die beiden erfolgreichsten Rockbands der 1970er waren Eagles (eigentlich ja nur Eagles und nicht "die" Eagles, woran sich aber niemand hält) und Led Zeppelin. Diese Bands repräsentierten die einander entgegen gesetzten Pole der damaligen Rockwelt. Led Zeppelin entwickelten sich vom epischen Bluesquartett über die Hardrockband zur exotischen Kelten-Combo mit Weltmusikeinschlag. Die Eagles fingen als Backgroundband von Linda Ronstadt an. Als ehrliche Countryrocker spannen sie den Faden ihrer kalifornischen Kollegen The Byrds und Buffalo Springfield weiter. Countryrock war im psychedelischen San Francisco damals, was Reggae später im London der Punkbewegung war: bodenständige, positive Musik zum Runterkommen. Im Verlauf der 70er wurde dann aber auch der Adlerblick düsterer, mit dem dritten Album "On The Border" und dem Wechsel von Gitarrist Bernie Leadon zu Joe Walsh. Kalifornien machten die Eagles zur Metapher eines seelenlosen, matten Amerikas, das die Reinheit des Wilden Westens gegen die billigen Kicks der Großstadt und das "Leben auf der Überholspur" eingetauscht hatte. Den größten Eagles-Hit "Hotel California" beschrieb Drummer-Sänger-Gitarrist Don Henley 2007 als "Song über den dunklen Unterbau des amerikanischen Traums", als "Song über den Exzess". Ob das die Radiohörer mitbekommen, ob die Eagles in ihrer Musik nicht auch die größten Kalifornien-Klischees bedient haben, ist natürlich die Frage. Der Autor und Musikjournalist Lester Bangs deklamierte 1976 in einem Artikel, die Eagles hätten auf ihrem gesamten "Desperado"-Album (auf dem sie zur Rockstar-Version der berühmt-berüchtigten Dalton-Gang werden) nicht annähernd den Outlaw-Geist rübergebracht, den Johnny Cash in zwei Minuten von "Don´t Take Your Guns To Town" beschwört. Tja, die Eagles polarisieren. Abtun konnte sie Bangs aber auch nicht.
