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Jimi Hendrix

Jimi Hendrix definierte so unterschiedliche Musikstile wie Heavy Metal und Jazz-Rock, dabei war er im Grunde ein Bluesgitarrist in der Tradition von B.B. King. Er revolutionierte die elektrische Gitarre wie John Coltrane das Tenorsaxofon. Heute ist es unmöglich Rockmusik zu hören, ohne dass dabei der Geist von Hendrix mitschwingt. Mit der Grammatik von Blues und R&B schrieb er das neue Testament des Rock´n´Roll. Seine Soli, manchmal rau und böse, manchmal rauschend und passioniert, förderten alle Klangschichten der Gitarre zutage. Mit dem einfachsten Bandformat, dem Rock-Trio, malte er atemberaubende Soundlandschaften. Er brachte die Ästhetik der afroamerikanischen Bühnenshow nach Woodstock. Seine Hits würden es heute nicht mehr ins Radio schaffen - zu experimentell. Hendrix war sowohl das Produkt als auch der größte Stilist der 1960er. Er kreierte eine schillernde Fusion aus schwarzer und weißer Popmusik, indem er seine Blues-Wurzeln mit dem Songwriting von Bob Dylan verband, die US-Nationalhymne zum flammenden Rockstatement machte. Zu gleichen Teilen Schamane und Showman, Gypsy-Mystiker und Marsmensch, wurde ihm seine überdimensionale Rockstar-Aura zum Verhängnis. Hendrix, auf dem Rücken liegend, seine brennende Gitarre mit den Zähnen spielend - Wahnsinn! Seine musikalische Hingabe, seine jungenhafte Sensibilität ging unter in der Flamboyance. Hendrix machte vielleicht erst die Gitarre zum Sexsymbol, entlockte ihr ekstatische Seufzer. Der Song "Foxy Lady". Das Originalcover seiner "Electric Ladyland"-LP (das Hendrix schon bald hasste und aus dem Verkehr zog) - niemals war das alles "Sex-Sells"-Marketing. Vielleicht war das einfach nur eine Bestandsaufnahme seines Musikerlebens. Sein Manager Chas Chandler empfahl Hendrix einmal, er sollte besser Drehtüren zu seinen Hotelzimmern einbauen lassen. Dabei wäre Hendrix wahrscheinlich nie so berühmt geworden, hätte ihn jener Brite namens Chandler (damals Bassist der Animals) nicht 1965 im Greenwich Village von New York entdeckt, hätte er nicht an den Song "Hey Joe" geglaubt und den Guitarero umgehend nach London mitgenommen. Hendrix war "camp", war ein Anti-Macho, hatte britische Sensibilitäten (man denke an die Zeile "Excuse me, while I kiss the sky" aus "Purple Haze"). 1966 verstanden das in den USA nur wenige, auch wenn Hendrix damit einen Faden seines Ex-Arbeitgebers Little Richard weiterspann und Prince diesen Faden später aufnehmen sollte. Der modische Stil von Hendrix: die Husarenjacke, die langen Schals, sie schlugen in die Kerbe von Sergeant Pepper und Mick Jagger. Der Hut und das Stirnband, mit denen das Halbblut Hendrix seine amerikanische, seine Indianer-Identität markierte: "Go ahead on Mr. Business man, you can't dress like me." (aus "If 6 Was 9"). Als Mode-Ikone bleibt Jimi Hendrix ungeschlagen.

Als er 1967 wieder in Amerika ankam, auf dem Monterey Pop-Festival, da hatte er sich als Künstler, als Performer schon derart realisiert, dass es danach kaum noch Spielraum gab. Hätte sein früher Tod ihn nicht zum Märtyrer, zum Rock-Meteoriten gemacht, wer weiß, wie die Welt heute auf Jimi Hendrix schauen würde. Vielleicht würde man ihn als einen der wesentlichen Erben Robert Johnsons sehen und es gäbe Platten von ihm mit Miles Davis. Er kam am 27. November 1942 in Seattle zur Welt, seine Mutter war 17. James Marshall Hendrix war ein sensibler Junge, stark eingeschüchtert vom rassistischen US-Amerika der 1950er. Mit 10 bekam er seine erste Gitarre. Mit 16 flog er von der Schule, angeblich weil er die Hand eines weißen Mädchens gehalten hatte. Mehrmals von der Polizei aufgegriffen, wurde ihm mit Anfang 20 zur Wahl gestellt, entweder ins Gefängnis zu gehen oder in die Armee einzutreten. Hendrix ging 1963 zu den Fallschirmspringern. Noch im selben Jahr verletzte er sich am Knöchel und wurde wieder entlassen. Der Autodidakt verdingte sich als Begleitmusiker diverser Bands, bald langweilte ihn die Muckerei im so genannten "Chitlin Circuit" der US-Südstaaten. 1964 zog er ins Hotel Theresa in New York, im selben Jahr gewann er beim Amateurwettbewerb im Apollo-Theater von Harlem, spielte bei den Isley Brothers und bei Little Richard. 1965 trat er in die R&B-Band Curtis Knight & The Squires ein. Mit einem Knebelvertrag, der seine Erben immer noch quält, zog ihn Knight schwer über den Tisch. Kurz darauf gründete Hendrix alias Jimmy James seine erste eigene Band: The Blue Flames, mit der er ein Engagement im Café Wha? im Greenwich Village bekam (Gage: 15 Dollar pro Nacht), wo ihn Chandler entdeckte. Zu Lebzeiten veröffentlichte Hendrix 3 Studioalben und 2 Livealben. Sein Debüt "Are You Experienced" zeigt den Rock-Gott rau, direkt, zupackend. Die psychedelische Science Fiction-Gitarre dieser Low-Budget-Produktion konnte es 1967 mit dem "Sergeant Peppers"-Album der Beatles aufnehmen, und Hendrix hatte noch nicht einmal sein erstes Wah-Wah-Pedal gekauft. Ein Blockbuster, essentiell für Einsteiger, die dann direkt zur Live-Version "Jimi Plays At Monterey" schwenken können. "Axis: Bold As Love" zeigt den Songwriter Hendrix. Auf "Electric Ladyland" wird er zum Traumfänger und Meistertüftler. Das "Band Of Gypsies"-Album zeigt den Funkmeister live. Bevor es an die 200 posthumen Platten geht, sollte man vielleicht erst einmal diese LPs kennen.

Geschrieben von pure-Team am 1.2.2010
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