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Portishead

Die Band Portishead zu portraitieren, bedeutet vor allem, drei Masterminds zu betrachten: Geoff Barrow, Adrian Utley und Beth Gibbons sind jeder für sich das, was man eine wahre Künstlerpersönlichkeit nennt. Es hat sie an der Musik noch nie etwas anderes interessiert, als das Verfolgen ihrer Visionen. Verkaufszahlen, Medienpräsenz, der Promotion-Zirkus oder die Fan-Communities: alles nebensächlich. Die wenigen Pressefotos der drei wirken stets widerwillig inszeniert, sie alle - vor allem aber Sängerin Beth Gibbons - scheuen Interviews über alle Maßen, und auch die Tourneen, die die Band seit ihrer Gründung 1993 im englischen Bristol absolviert hat, kann man an einer Hand abzählen.

Dabei braucht es keinen Propheten um das Potential dieses Trios zu sehen: Der Einfluss ihrer Musik auf den Pop und die Subkulturen der neunziger und der nuller Jahre ist kaum zu überschätzen. Ihr visionärer Sound brachte schleppende Hiphop-Beats, psychedelischen Krautrock, Synthesizer und Sampling zu einer hypermodernen Fusion-Musik zusammen, die sowohl der aufbäumenden Hiphop-Kultur, wie auch der anderen großen Jugendbewegung, dem Techno, artverwandt war. Darüber schwebte aber Beth Gibbons irisierender Gesang, der den maschinellen Klängen ein menschliches Element entgegensetzte. So entstand ein neuartiges, bahnbrechendes Genre, die die Musikpresse auf den Namen "Triphop" taufte und für das Portishead bis heute die schillerndste Referenz geblieben sind.

Alle paar Jahre scheinen die drei Portishead-Mitglieder ein Art gemeinsamen Höhenflug zu haben. Es ist, als ob es zu einer seltenen Konstellation der Persönlichkeiten kommt, die dann eine Perle von einem Album zur Folge hat. So war das bei ihrem Debütalbum "Dummy", für das sie 1994 den wichtigen Mercury Music Prize bekommen haben, und so war das auch beim selbstbetitelten Zweitwerk aus dem Jahre 1997 - wobei "Dummy" noch mächtiger in der Musikwelt einschlug. Diese mittlerweile sechzehn Jahre alte Platte legte den Grundstein für ein Pop-Phänomen, das fortan als der "Sound of Bristol" eine Schnittstelle zwischen Hiphop, Synthesizer-Musik und klassischem Songwriting bildete. Und obwohl "Dummy" aufgrund Portisheads zurückhaltender Informationspolitik nur spärliche Berichterstattung in der Presse bekam, schaffte es das Album nicht nur in UK, sondern auch im übrigen Europa und in den USA ein Charterfolg zu werden.

Geschrieben von Michael Lutz am 10.6.2010
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