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Bert Kaempfert

"Ich möchte Musik machen, die nicht stört." So hat der Komponist, Arrangeur und Orchesterleiter Bert Kaempfert seine Musik beschrieben. Ein ungewöhnliches Arbeitsmotto, vor allem aus heutiger Sicht, einer Zeit, die von den musikalischen Extremen, der Suche nach der nächsten Downloadcharts-Eruption und schrillen Superstar-Aspiranten geprägt ist. Wer will heute schon Musik machen, die nicht auffällt, sich zurück nimmt, die nicht polarisiert, "die keinem weh tut"? Aber genau das war das Prinzip eines Mannes, der während seiner Karriere weltweit 150 Millionen Platten verkauft, mit Musikgrößen wie Frank Sinatra, Al Martino und Elvis zusammengearbeitet und als erster und einziger deutscher Künstler Einzug in die "Songwriters Hall Of Fame" gehalten hat. Was aber war das Erfolgsrezept des 1923 in Hamburg geborenen Ausnahmemusikers Bert Kaempfert?

"Auffällig an seiner Musik ist, dass wahrscheinlich niemand sagt: Oh Gott! Stell das ab! Egal, wer sie hört", beschreibt Doris Kaempfert im Pure.de-Interview das Werk ihres Vaters. "Viele Musikrichtungen und Künstler polarisieren ja bewusst, man kann sie nur gewisserweise ertragen, sag ich mal, man muss sich auf sie einstellen. Während Bert Kaempferts Musik keinen stört, sondern musikalische Glückshormone ausstößt. Sie wird in der Musiktherapie eingesetzt, wie ich kürzlich erfahren habe. Hyperaktive Kinder werden bei Bert Kaempfert ruhiger."

Wer das kürzlich frisch bei Universal wiederveröffentlichte Album "Strangers in the Night", mit dem Bert Kaempfert 1966 international der Durchbruch gelang, zum ersten Mal hört, weiß sofort, was Bert Kaempferts Tochter damit meint. Nein, das stört wirklich niemanden und tut ganz sicher keinem weh. Im Gegenteil: "Strangers in the Night", das Frank Sinatra erst zum Superstar machte, "Every Sunday Morning" oder "Forgive Me" schmeicheln swingen auch 43 Jahre nach ihrer Erst-Veröffentlichung mehr denn je. "Das liegt zum einen sicher in der Kraft der Musik selbst. Sie ist einfach schön; die Leute mögen sie. Es hängt aber auch damit zusammen, dass die zweite und dritte Generation der Familie intensiv mit der Musik arbeitet. Man muss schon was tun, damit sie populär bleibt. Es kommt ja ständig neue Musik auf den Markt," erklärt Marion Kaempfert, älteste Tochter des Melodie-Meisters, in einem Interview mit der Badischen Zeitung. Und so ist es vor allem den Kaempfert Töchtern, die heute gewissenhaft das reiche musikalische Erbe ihres Vaters verwalten, zu verdanken, dass im letzten Jahr das legendäre Konzert von Neu-Isenburg in Gänze auf CD erscheinen konnte. Das Konzert, das am 19. und  20. Juni 1979 stattfand, wurde damals in ARD übertragen gilt bis heute als einer der Karriere-Höhepunkte Kaempferts. Und hier gibt es eine weitere unverzichtbare Zutat zum Kaempfertschen Erfolgsrezept nachzuhören: musikalische Präzision made in Germany. Denn Kaempfert scharte während seiner Karriere stets die besten Jazz- und Orchestermusiker seiner Zeit um sich. So arbeitete er mit Ladi Geisler (Gitarre und Bass), Karl-Heinz "Kuddel" Grewe (Kontrabass), Rolf Ahrens (Schlagzeug), Ack van Rooyen (Trompete und Flügelhorn), Herb Geller (Saxophone und Flöten) Peter Herbholzheimer und Jiggs Whigham (Posaune) und vielen anderen zusammen. Die Regler bediente auch auf dieser Aufnahme Kaempferts Lieblings-Toningenieur Peter Klemt, der durch seine Mikrofonierung und Tonmischung den typischen Kaempfert-Sound prägte.

Geschrieben von pure-Team am 14.4.2010
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