The Who
Sie sind die Nummer Drei im britischen Rock-Triumvirat, verantwortlich für das erste Gitarren-Feedback auf LP und die erste Instrumentenzerstörungsorgie auf der Bühne, ebenso die erste Rockoper. "Keine andere Band hat den Rock so weit nach vorn geschoben, hat dem Rock so viel abverlangt", schrieb 1979 das Time-Magazine.
Die Who hatten Soul. Sie waren gleichermaßen rebellisch und zärtlich, avantgardistisch und destruktiv. Auf der Bühne wrangen sie ihre Instrumente regelrecht aus, brachten Gitarren zu Schweißausbrüchen, sprengten das Drumkit in die Luft. Keith Moon am Schlagzeug kann keiner erklären, nicht einmal Johnny Ramone. Unglaublich auch Bassmann John Entwistle (alias "The Ox" oder "Thunderfinger"), verschrobener Frankenstein hinter Windmühlenflügel-Pete an der Gitarre. Vorne an der Rampe wirbelte ein athletischer Working-Class-Posterboy namens Roger Daltrey das Mikro herum wie einen Karate-Tschako. The Who sind die Paten von Punk und von Hardrockbands á la AC/DC oder Iron Maiden. Sie sind die Erfinder des Power-Pops. Die Gottväter von Neo-Modbands wie The Jam und der Britpopper Blur und Oasis. Gleichzeitig sind The Who auch noch die Gurus von Grunge - wie kann das zusammengehen?
Im Sommer 2008 widmete VH1 die dritte Ausgabe seiner "Rock Honors"-Award-Show den Who. Auch nach knapp 45 Karrierejahren, trotz aller Grammys, Rock´n´Roll Hall of Fame et cetera: Als die letzten beiden Überlebenden der Who, Pete Townshend und Roger Daltrey, den roten Teppich vom UCLA-Pavillon in Los Angeles abschritten, da waren sie irgendwie fehl am Platz, sahen so gar nicht aus wie Celebrities. Sein Bühnenoutfit trug Daltrey in einer Plastiktüte, die er sich nicht abnehmen lassen wollte: "Danke, die trage ich selbst." Kann sich jemand Mick Jagger vorstellen, wie er seine Bühnengarderobe in einer Plastiktüte über den roten Teppich schleift? Auch wenn ihre Songs in US-TV-Serien ("CSI:NY") laufen, auch mit hundert Millionen verkaufter Platten behalten The Who ihren Außenseiterstatus, lassen sich nicht leicht auf den Punkt bringen, sind schwer zu verpacken, in anderen Worten: "The Who never sold out", auch wenn sie eines ihrer besten Alben genau so betitelten: "The Who Sell Out", ein ironisches, psychedelisches Power-Pop-Paket (mehr dazu in unserer Rezension).
