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Frankie Goes To Hollywood

Keine andere Band erlebte einen ähnlich kometenhaften Auf- und Abstieg. Aus dem Nichts wurden Frankie Goes To Hollywood die heißesten aber auch umstrittensten Stars der Mitt-1980er. Ein legendärer Gig im berühmt-berüchtigten "Warehouse" in Leeds. Eine Radiosession mit John Peel, dann der Durchbruch mit "Relax". Sie kamen, sangen, siegten. Frankie, die lackbelederte Domina, legte die Hitlisten an die Leine. Drei internationale Nr-1-Hits landeten sie mit "Relax", "Two Tribes" und "The Power Of Love", ihren ersten drei veröffentlichten Singles. Drei Versuche, in weniger als einem Jahr herausgehauen, drei Volltreffer.

Frankies Frontmänner kamen aus dem Underground der Gay-Szene. Der Mainstream feierte sie ähnlich ab wie davor Freddie Mercury von Queen, Hot Chocolate und die Village People, Soft Cell, Culture Club oder Grace Jones. Im Hintergrund standen die drei "Lads", normale Briten, die nach Feierabend ihr Bier im Pub trinken. Peter Gill, Jed O´Toole und Brian Nash. Nach Auflösung der Band nahm Nash völlig unbehelligt wieder seinen alten Job als Elektriker auf. "Niemand erkannte mich", sagte der Gitarrist 1992 dem Q-Magazine. "Aber dann glaubt auch irgendwie keiner, dass der Typ, der gerade deine Steckdose repariert, letztes Jahr bei "Top of the Pops" war." Schwerer hätte sich das schon bei Leadsänger Holly Johnson und Backgroundsänger Paul Rutherford gestaltet, den beiden Extravaganten, den Rampensäuen, den Skandalnudeln. Im Rückenwind des Skandals segelten Frankie 1983 auf den Club-Zenith Europas. Zuerst verbot die BBC "Relax" auf ihren Stationen, nachdem Moderator Mike Read live auf Sendung die Platte vom Teller gefegt hatte - quietsch - und empört feststellte, das wäre ja obszön. Gemeint war die Abbildung auf dem Cover. Das Video zur Single drehten Frankie vor der Freigabe drei Mal, zuerst in einem verfallenen Theater voller Dark-Rooms, zuletzt mit Brian de Palma. Die BBC und MTV kamen ob des überdimensionalen Erfolgs von "Relax" ins Wanken. In England wurde es die dickste Single neben Band Aid. Zensur in Zeiten des Charterfolgs - jüngstes Beispiel dafür ist das aktuelle Rammstein-Album "Liebe Ist Für Alle Da". Mitnichten lag der Blitzerfolg von FGTH ausschließlich am Charisma von Johnson und Rutherford, sondern auch am exzentrischen Können von Frankies Hintermännern: Produzent Trevor Horn und Marketing-Mann Paul Morley. Horn, der 1982 das Album "The Lexicon of Love" von ABC produziert hatte, verpasste FGTH eine Sound-Identität wagnerianischen Kalibers. Hinter Holly und seine Clubhüpfer schaltete Horn ein Symphonie-Orchester á la Phil Spektor. Kongenial komplementiert wurde das Hornsche Klang-Massiv von Morleys dadaistischem Big-Time-Marketing, mit seinen "Frankie-Says"-T-Shirts, seinen kryptischen Anzeigentexten. Sie eröffneten Debatten auf den Straßen der Metropolen. Kaum einer kann behaupten, dass die Hedonisten von FGTH den Pop politischer machten. Frankies Slogans, erst Recht auf ihrer zweiten Single "Two Tribes", holten den passiven Konsumenten ab, vereinnahmten ihn mit Simplizität. Gerade das machte die Band trotz allem Erfolg so kontrovers. Die "Two Tribes" (im Video dargestellt von Reagan- und Chernenko-Lookalikes) fetzten sich neun Wochen lang auf Platz 1 der britischen Charts, brachen damit knapp den Rekord des Wings-Hits "Mull Of Kyntire" von 1977-78. Frankies dritte Single "The Power Of Love" dominierte - flankiert von Whams "Last Christmas" - die Weihnachtscharts 1984.

Geschrieben von Felix C. Fast am 2.12.2009
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