ABBA
Pop, deine Lieblinge. Buchstabe A wie ABBA. Damals wie heute ein Phänomen. Keine Milliarden-Angebote bringen ABBA zu einer Reunion. In den Charts sind sie sowieso, auch heute noch.
1977, ein Jahr der Wende: Demokratie in Spanien, Jimmy Carter wird Präsident der USA, Elvis stirbt, und Punk wird geboren, Apple trägt sich ins Firmenregister ein... Millionen Pop-Fans tangiert das alles nicht, denn 1977 ist das Jahr der weltweiten ABBA-Manie. Ihr Eintreffen in Australien, wo ABBA eine zweiwöchige Tournee machen, wird zum Staatsbesuch. "SIE SIND DA!" titelt schlicht die Boulevardzeitung Daily Mirror über einem Foto der vier Schweden. Überall Fans, tausende, darunter Eltern mit Kindern im Pyjama, nachts in der Empfangshalle des Sydneyer Flughafens. 25.000 warten zehn Stunden vor ABBAs Auftritt im monsunartigen Regen, um einen guten Platz zu bekommen. Die von ABBA benutzte Hotelbettwäsche wird zu Höchstpreisen versteigert. Auf dem Highway: Eine Frau legt ihr Baby auf die Fahrbahn, damit der passierende ABBA-Konvoi anhalten muss und sie ein Autogramm erhascht. Nicht mal auf See sind ABBA sicher, Boote mit TV-Teams setzen an zum Entern. Überall hält man ihnen Mikrophone vor die Nase, fotografiert, filmt. Agnetha und Anni-Frid wollen live, vor laufender Kamera kein Englisch sprechen. Auf den Pressekonferenzen: platte Fragen. Hat Agnetha den sexysten Hintern im Pop? "Woher soll ich das wissen?", antwortet die damals 26jährige. "Ich habe ihn nie gesehen." Die Tour hat einen nachhaltigen Effekt auf das blonde ABBA-Girl. Inmitten der hysterischen Menschenmengen läuft es Frau Fältskog kalt den Rücken herunter. "Es gibt nur einen schmalen Grat zwischen ekstatischem Jubel und Bedrohung", zitiert ABBA-Biograf Carl Magnus Palm sie in seinem Buch "Bright Lights, Dark Shadows - The Real Story of Abba". "Blitzartig kann das umschlagen. Ich glaube nicht, dass einen so etwas unberührt lässt. Deine Persönlichkeit ändert sich, etwas ändert sich in dir, so etwas kann eine Quelle von Phobien werden."
Alles hatte so beschaulich angefangen, im schönen Nachkriegs-Schweden der 1960er. Björn und Benny, erfolgreiche Musiker bei den Hootenannys und einem Beatles-Klon namens Hepstars, treffen einander immer wieder in der Hotelbar, schreiben irgendwann ihren ersten gemeinsamen Song. Björn verliebt sich in Agnetha. Benny und Anni-Frid kommen zusammen. Man kennt sich im schwedischen Showbusiness. Beide Frauen haben erfolgreiche Solokarrieren vorzuweisen. Agnetha gilt als die schwedische Connie Francis, Anni-Frid ist die schwedische Eartha Kitt. Die Paare machen Urlaub auf Zypern und kehren als ABBA zurück. Auftritt Stig Anderson: vollblütiger Musikmanager, der das authentische Potential des Doppelpärchens vermarktet, dass es knarzt. Auch Bärchen Benny muss sich nun in knallenge einteilige Satinanzüge mit Lametta-Schulterklappen zwängen. 1974 gewinnen ABBA den Eurovision Song Contest, nehmen die Hürde zum internationalen Erfolg. ABBA ist die erste Band vom Festland Europas, für die sich Pop-verwöhnte Briten und US-Amerikaner interessieren, zahllose Artikel über ABBAs "Euro-Pop" erscheinen in der angelsächsischen Presse. Auf den Zug springen die Silver Convention und Harpo ("Movie Star"), die George Baker Selection ("Paloma Blanca") und Griechen-Crooner Demis Roussos - heute alle unter ferner liefen im Vergleich zu ABBA.

