James Hunter
Dazu braucht's natürlich auch die richtigen Songs. Und die - allesamt selbstverfasst - hat James Hunter auf "The Hard Way", ein Album, das noch nuancierter und stilistisch reicher daherkommt als der Vorgänger "People Gonna Talk", ohne dabei an Unmittelbarkeit und Schärfe einzubüßen. "Wir haben uns in zwei gegensätzliche Richtungen weitererentwickelt", erklärt Hunter. "So ist der Sound zum einen ein bisschen kultivierter geworden." Ein Verdienst vor allem von Tenor-Saxophonist Damian Hand und Schlagzeuger Jonathan Lee (beide schon seit 18 Jahren an Hunters Seite), die für die Streicher-Arrangements verantwortlich zeichnen und auch den Vibraphon-Einsatz in "Tell Her" und "Ain't Going Nowhere". Auf der anderen Seite stehen Uptempo-Tracks, die, so Hunter, " rauher und ein bisschen wilder sind. Da hatten wir uns zuletzt doch ein bisschen zurückgenommen, während wir dieses Mal ungezügelter aufspielen."
Diese Weiterentwicklung korrespondiert mit Hunters Ambitionen als Songschreiber, der sein Material wie immer dem Auf und Ab des prallen Lebens abgeschaut hat. "Viele Songs sind aus verschiedenen Episoden zusammengesetzt. "Carina" zum Beispiel. Ja, es gibt eine Carina, sie war mal meine Freundin - aber eigentlich hat "People Gonna Talk" mehr mit ihr zu tun als der Song, der jetzt ihren Namen trägt. Aber "Jacqueline", das hab' ich wirklich für meine Frau geschrieben, mit der ich jetzt seit drei Jahren zusammen bin." Ganz anders "Don't Do Me No Favors": Die an einen prächtig aufgelegten Bobby Bland erinnernde Nummer entspringt "einer Zeit, als mir jemand Geld lieh, als ich es wirklich brauchte. Später fühlte ich mich ziemlich mies damit . Und die eine Hälfte des Songs verneint, dass ich so etwas wie ein Zuhälter bin - während die andere zugibt, dass ich genau das bin! Aber genau diese Zweideutigkeit gab mir das Gefühl, dass ich mich als Songschreiber wirklich entwickelt habe . Und es war mir wichtig, nicht nur einen Standpunkt in einem Song einzunehmen, denn die Leute fühlen ja auch oft nicht so klar und eindeutig über Dinge, die ihnen passieren."
Im 46. Lebensjahr ist schon so einiges passiert im Leben von James Hunter, der in der Arbeiterklasse von Colchester, Essex aufwuchs. "Es war nicht so wie mit dem Blues in Alabama groß zu werden", erinnert er sich lachend, "aber alles südlich von Watford galt bei uns quasi als Alabama. In den USA gibt's die Mason-Dixon-Line, in England haben wir den Watford Gap." Zu den frühesten Einflüssen zählen die Sammlung 78er-Scheiben seiner Oma (Rock'n Roll und R'B aus den 50ern) sowie sein älterer Bruder Perry, der "mir den G-Akkord zeigte." Die erste Band von James Hunter debütiert im Colchester Labor Club, sein erster eigener Song, das stark an Muddy Water angelehnte "Evil Eyes", landet 1984 auf der Rockabilly(!)-Compilation "Dance To It". Später macht er drei Alben als Howlin Wilf & the Vee-Jays, bevor Ace Records sein Solo-Debüt "Believe What I Say" veröffentlicht. Als Gäste dabei: Doris Troy und kein Geringerer als Van Morrison, ein Hunter-Fan der (fast) ersten Stunde. "Kick It Around", das zweite Solo-Album, wird von Morrissey-Gitarrist Boz Boorer produziert und 2001 auf dem deutschen Label Ruf Records veröffentlicht.
