Caterina Valente
Zwischen der Charles Wilp'schen "Sexy-mini-super-flower-pop-op-Cola" und dem "Gesundheitsmagazin Praxis" gab es nicht viele Schätze. Einige hebt jetzt die CD-Collection "Somewhere over the Rainbow - A Treasure Box".
Es war die Zeit, in der die noch junge Bundesrepublik sich noch gar nicht als solche fühlte. Jung schon mal gar nicht. Den Regierungschef nannte man daher den "Alten aus Rhöndorf", der Bundespräsident firmierte als "Papa Heuss". Dass die bleierne Zeit des Wiederaufbaus sehr viel später als "Wirtschaftswunder" bezeichnet werden würde, daran dachte man nicht im Traum. Vom Wundern hatte man die Nase gestrichen voll. Ludwig Erhard mochte so viele Zigarren rauchen, wie er wollte. Um Cohibas wird es sich schon nicht gehandelt haben. Glamour? Verboten.
Ab Mitte der 50er Jahre begannen dann Gazetten wie der "Tagesspiegel" über eine "Frau mit schwarzen Zottelhaaren" zu berichten, deren hervorragende Eigenschaft es sei, "reizend und unkompliziert" zu sein. Eine Dame des Tingeltangelgewerbes, gewiss, ein Circuskind mit italienischer Abstammung. Die Tochter eines weiblichen Clowns und eines Quetschkommodenvirtuosen hätte irritieren müssen. Aber nicht doch: Caterina Valente sei nur "an sich" Artistin. "Das Bunte, Schnelle und das Häusliche ihres Wesens sind nicht fremd miteinander", beruhigte sich und andere der "Tagesspiegel": "Ein Schalterbeamter kann sein Leben kaum bürgerlicher verbringen, als dieses fahrende Volk es tut."
